Landesverband Sachsen

AD(H)S Sachsen e.V.
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Ein Blick ins Leben von AD(H)S

Die Biographie der psychosozialen Situation von Betroffenen und deren Familien zeigt immer wieder ein ähnliches Muster auf.

Eltern berichten von Auffälligkeiten im Kleinkindalter wie ständiges Nörgeln begleitet mit lautem Schreien, starke Impulsivität, keine Regeln befolgen, erlernen von alltäglichen Dingen benötigte sehr viel Zeit, Sprachentwicklungsverzögerungen, Hypersensibilität im Bezug auf sensomotorische Körperempfindungen und Störungen in der Feinmotorik. Auf der anderen Seite verblüffen diese Kinder mit einem ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn, Hilfsbereitschaft, Ideenreichtum, Inselbegabungen oder spezielle Interessen und Kreativität. Viele der Betroffenen haben die Gabe sich in den Gegenüber hineinzuversetzen.

Bereits im Vorschulalter beginnt für die Familien ein Spießrutenlauf. Im Kindergarten werden sie mit pädagogisch wertvollen Erziehungstipps belehrt, im familiären Bereich kommen die ersten Wertungen über einen falschen Erziehungsstil und in der Öffentlichkeit wird man mit vorwurfsvollen Blicken bedacht. Aussagen wie „ ungezogenes und verwöhntes Kind “, „ überforderte Eltern “ oder „ vernachlässigtes Kind “ hören diese Eltern immer wieder. Zu dieser Zeit versuchen die Eltern sich und das Kind noch zu verteidigen, gern wird dies getan mit „ das Kind kommt bald in die Schule, dann wird es Anders“

In der Schule wird es aber nicht anders, hier beginnt sich der Leidensdruck des Kindes und der Eltern zu verstärken. Durch die Konzentrationsschwäche, fällt es den Kindern schwer dem Unterrichtsgeschehen zu folgen und sie vergessen Hausaufgaben und Arbeitsmittel. Die vielen negativen Rückmeldungen des Lehrpersonals, mitunter vor der gesamten Klasse, lassen das Selbstkonzept und Selbstbewusstsein des Kindes sinken. Daneben baut sich fast immer Schulfrust und psychosomatische Störungen auf. Die Impulsivität steigt und die Kinder entwickeln Störungen im Sozialverhalten, welche auch mit Aggressionen gegenüber Anderen einher gehen kann .

Die Eltern hören meist nur negative Rückmeldungen, das Hausaufgabenheft ist mit roter Einträgen getränkt „ Felix konnte heute durch Unkonzentriertheit dem Unterrichtsgeschehen nicht folgen“ Wenn Felix blind wäre, würde kein Lehrer in Hausaufgabenhelft schreiben „ Felix hat heute im Kunstunterricht das Wassergläschen umgeschmiessen“

Meist sind die Eltern schon nach kurzer Zeit Dauergast in der Schule und werden von der Sekritärin wie ein Mitglied des Lehrerkollegiums begrüßt. Aber auch ander Eltern haben ständig etwas an Felix auszusetzen, was natürlich noch am besten im Elternabend laut diskutiert wird.

Diese ganzen negativen Erfahrungen und der ständige Stress und Sorgen haben zur Folge, dass sich die Familien aus der sozialen Interaktion mit ihrer Umwelt zurück ziehen. Eltern leiden unter den aufgebauten Spannungen in der Familie und dem ständigen Stress. Psychischen Erkrankungen der Eltern, wie Depressionen, Angststörungen oder psychosomatische Erkrankungen sind keine Seltenheit. In einigen Familien zeigt sich einen entwickelnde Beziehungsstörung.

Um die gestellten Anforderungen der Gesellschaft und den Bedürfnissen des Kindes gerecht zu werden, bedeutet dies für die Eltern persönliche Bedürfnisse zu verdrängen. Mütter geben ihren Beruf auf oder Eltern arbeiten nur noch in entgegengesetzten Schichten. Alles dreht sich nur um AD(H)S.

Wenn Geschwisterkinder da sind, gestaltet sich das Leben noch schwieriger und die Geschwisterkinder leiden unter diese Situation enorm. Geschwiterrivalitäten gehören zum Tagesgeschehen.

Die Pubertät ist die Praline des ADHS, durch die gestörte Wahrnehmung, die Hypersensibilität in allen Bereichen und die bisherigen Erfahrungen, ist dies ein stark fordernder Lebensbereich für den Jugendlichen und die Familie. Alles was es im Leben an Verlockungen oder Verboten gibt muss ausprobiert werden. Viele ADHS Jugendliche, brauchen den Adrenalin – Kick und lassen sich somit auf äußerst riskante Aktivitäten ein. Für die Identitätsfindung benötigen sie meist länger und somit ist die Pubertät erst mit ca. vierundzwanzig Jahren abgeschlossen.

Eltern leiden in dieser Zeit unter starken Erschöpfungszuständen und eventuelle bestehende chronische Krankheiten verstärken sich. In diesem Lebensabschnitt erfahren die Familien nochmals großes Unverständnis von der Umwelt und Schwarzmalerei. Was bei den Eltern Zukunftsängste auslöst und mitunter einen unförderlichen Erziehungsstil hervorruft. Damit sind Beziehungsstörungen in der Familie vorprogrammiert.

Erwachsene Betroffene berichten uns von einem Lebensweg mit Stigmatisierung, Missverständnis, Vorwürfen und Abwertungen der Umwelt. Viele Erwachsenen sind bereits im mittleren Lebensalter berufsunfähig, haben psychische Störungen aufgebaut, leiden unter Vereinsamung und Nichtanerkennung, viele sind Beziehungsunfähig.

Leider gehen durch diese negativen Erfahrungen die positiven Seiten eines AD(H)S Betroffenen unter.

Ressourcen von AD(H)S

Menschen mit AD(H)S haben sehr viele Ressourcen. Nicht aus der Luft gegriffen sind deshalb die Empfehlungen zur Unterstützung von AD(H)S, eines ressourcenorientierten Trainings.

Manchmal hilft Umdenken

Hyperaktivität - beweglich, aktiv, sportlich, flexibel, begeisterungsfähig

Unkonzentriert – offen für neue Eindrücke, kreativ, phantasievoll

Impulsiv – unabhängig, spontan, energisch,

 

weitere Ressourcen

  • hilfsbereit, fürsorglich, sozial
  • zupackendes Schaffen, handwerklich
  • Stehaufmännchen, ausdauernd für Dinge die wichtig erscheinen, belastbar
  • Fähigkeit zu verzeihen und zu vergessen, nicht nachtragend
  • künstlerisch und geistig kreativ
  • ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • naturliebend
  • besonderer Charme